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Clown in Anröchte
Kreis Soest. Alle 14 Tage bekommen die Gäste in der Caritas-Tagespflege „Lebensbaum” Anröchte ganz besonderen Besuch: Dann nämlich schlüpft die Mitarbeiterin Brigitte Zawislak in die Rolle des Clowns Toni und verwandelt für eine Stunde den Aufenthaltsraum in ein kleines Zirkuszelt.
Die Diplom-Sozialpädagogin hatte sich als Beschäftigungstherapeutin der Tagespflege schon lange überlegt, wie sie den Senioren ein noch anregenderes Programm anbieten kann. Rund 45 Frauen und Männer im Alter zwischen 67 und 93 Jahren besuchen die Caritas-Tagespflege in der Hospital-Straße: Manche kommen täglich, manche nur an ausgesuchten Tagen – und jeder Gast soll sich angesprochen fühlen. „Nach dem Frühstück hören wir Musik, lesen Zeitung oder gehen auf die Traumreise”, beschreibt Brigitte Zawislak das tägliche Angebot. „Auch das Tanzcafe kommt unheimlich gut an.”
Abwechslung ist etwas, was auch Senioren sehr schätzen. Und da kam die Sozialpädagogin bei einer zweitägigen Fortbildung beim Meinwerk-Institut in Paderborn auf die Idee, mal als Clown die Senioren zu unterhalten. Mithilfe einer Schauspielerin schlüpfte Brigitte Zawislak in verschiedene Rollen, testete sich aus und nahm schließlich den Titel des Seminars „Humor in der Pflege” ganz wörtlich. Toni wurde geboren: „Den Namen habe ich gewählt, weil man ihn gut aussprechen kann.” Das Kostüm war schnell zusammengestellt: Ein blau-roter Frack, eine rote Nase, eine schwarze Perücke und ein Hütchen, das immer wieder runter fällt – schon ist Toni bereit zum großen Auftritt.
Während die Senioren nebenan noch nach der Mittagsruhe Kaffee und Kuchen genießen, packt Brigitte Zawislak die Siebensachen des Clowns zusammen, schminkt sich und lauscht dann auf den Flur hinaus: Sind die Senioren im Aufenthaltsraum? Da erklingt auch schon der Ruf, auf den sie gewartet hat: „Toni, wo bist Du denn”, ruft eine Seniorin. Natürlich wissen die Frauen und Männer, dass am Nachmittag der Zirkus lockt. Und dann können sie es kaum noch erwarten, dass das vertraute Klopfzeichen ertönt und der lustige Besucher eintritt.
Schon beim ersten Auftritt im Januar 2011 haben die Senioren Toni in ihr Herz geschlossen. Mal bringt der Spaßmacher einen Koffer mit, der seinen Inhalt langsam preisgibt, mal wird gezaubert, mal getanzt. „Jedes Mal gibt es Lieder, Komik und Darstellungen”, beschreibt die Diplom-Sozialpädagogin den Auftritt, der daheim sorgfältig vorbereitet wird. Er findet an wechselnden Wochentagen statt – so kommen wirklich alle Gäste in den Genuss von Tonis Auftritt.
Dabei wird jeder Gast individuell begrüßt – manche erwidern den Gruß fröhlich, andere blicken ein wenig skeptisch, interessiert ist jeder. Jede Stunde ist anders. Alles, was Kindheitserinnerungen weckt, ist beliebt. Da werden alte Schlager mitgesungen, Seifenblasen werden weggepustet, die Tücher aus dem Koffer interessiert betastet. Immer wieder nimmt die Sozialpädagogin Kontakt zu jedem einzelnen aus, holt sie auf die Tanzfläche, geht auf Zwischenrufe ein, versucht, ganz ruhige Gäste aus der Reserve zu locken. „Vieles ergibt sich spontan. Es kommt darauf an, wie die Gäste reagieren”, beschreibt der Clown seinen Auftritt. Da kann es durchaus vorkommen, dass Toni auf dem Fußboden sitzt und ein bisschen herumalbert. Doch dann wird der geheimnisvolle Koffer geöffnet. Jetzt bekommt endlich auch die Seniorin ihre Antwort, die schon mehrmals gerufen hat: „Toni, was hast Du denn da in Deinem Koffer?”
Eine über 90-Jährige strahlt, als auch sie das bunte Tuch erhascht, das Toni langsam aus dem Koffer zieht und von Gast zu Gast wandern lässt. Dass ein Senior unruhig wird und lieber den Raum verlässt – das ist sein gutes Recht. Eine Mitarbeiterin geleitet ihn hinaus. Und nimmt Tonis Wunsch nach einem Glas Wasser mit. Bei der Rückkehr bringt sie gleich mehrere Gläser mit. Spielerisch greift Brigitte Zawislak die gute Gelegenheit auf und animiert ihre Gäste, wie sie das Glas zu leeren. Manche haben Durst, manche nicht, aber fast alle nehmen ein paar Schlucke zu sich.
Schnell geht die Stunde im Zirkus vorbei. Mit einem fröhlichen „Tschüss Toni” winken die Senioren dem Clown nach, der aus dem Raum schlüpft. Und sich schon beim Umkleiden wieder Gedanken über den nächsten Auftritt macht.
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