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Günni erobert die Herzen
Werl. Wenn Günni in der Tür erscheint, werden die Gespräche leiser. Fast alle Augen wenden sich dem neuen Gast zu und eine Seniorin stubst ihren Nachbarn leicht mit dem Ellenbogen: "Da ist Günni." Der 16 Monate alte American Bulldog ist der neue Star im Kreis der Gäste, die die Caritas-Tagespflege in Werl besuchen. Zweimal am Tag hat er, von Antje Davidovic an der Leine geführt, seinen große Auftritt. Unaufgeregt und leise tapst der 33-Kilo-Rüde an den Gästen vorbei. Wo ihm Hände entgegengestreckt werden, darf er näher kommen und sich streicheln lassen. An den anderen Senioren geht er vorbei, Günni drängt sich nicht auf.
Darf er auch nicht. So viele Herzen der Hund mit seinem "zerknautschten" Gesicht auch schon im Kreis der rund 60 Gäste erobert hat, er muss sich einer strikter Disziplin unterwerfen. Sie hat oberste Priorität. Deshalb hat die Caritas im Kreis Soest im letzten Jahr den Qualitätsstandard "Tiere in den Einrichtungen" entwickelt. Dieser Standard regelt den Besuch der vierbeinigen Gäste. Hygiene, Gesundheit, Sicherheitsmaßnahmen, Ausbildung -viele Voraussetzungen müssen erfüllt werden. Besonders aber muss mit den Gästen oder deren Angehörigen abgesprochen werden, ob Kontakt zum Hund entstehen darf.
"Tiere öffnen Welten", berichtet Antje Davidovic, dass gerade bei Menschen mit einer Demenz beim Streicheln des warmen Tieres viele Erinnerungen zurückkommen. Auch bei schweren Erkrankungen kann Günni helfen. "Ein Gast ist erst 54 Jahre alt, hatte einen Schlaganfall, dadurch massive Sprachstörungen. Wenn er sich mit Günni beschäftigt, spricht er klare, ganze Sätze." Die Frauen und Männer beobachten genau. "Guck mal, Günni ist ja ein Linkspföter", jubelt eine Besucherin, als Günni brav vor ihr sitzenbleibt und die Pfote reicht.
Natürlich gibt es auch Gäste, die keinen näheren Kontakt mit dem Hund wünschen. Da schreibt der Standard vor, dass ihnen zur Zeit des Hundebesuchs eine andere, qualitativ ebenso hochwertige betreute Unterhaltung geboten wird. In einem anderen Raum. Davon aber kann Antje Davidovic, die Günni vor sieben Wochen aus dem Tierheim Hagen holte, nichts berichten. "Wir haben eine Dame, die Kontakt mit Günni ablehnt. Sie will aber im Raum bleiben und beobachten."
Günni ist nach "Stampfer" bereits der zweite Hund, der den Alltag der Senioren in der Caritas-Tagespflege bereichert. Darauf wurde er sorgfältig vorbereitet. Zwei Wochen lang blieb er ausschließlich im Büro, lernte die unbekannten Geräusche und Gerüche kennen, schloss Freundschaft mit den Teammitgliedern. Und bekam sein Caritas-Halstuch, das aus einer Tasche und einem Schlüsselanhänger gebastelt wurde. Erst nach der Eingewöhnungszeit begann die behutsame Annäherung an die Gäste. Wenn Antje Davidovic heute zur Leine greift, erst dann steht Günni auf und signalisiert mit heftigem Schwanzwedeln, wie sehr auch er auf diesen Anblick gewartet hat.
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