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„Manchmal werde ich Papa genannt”

Nach zwölf Monaten endet für Zivi Tim Sekul der Einsatz in der integrativen heilpädagogischen Tagesstätte St. Barbara. Der Abschied fällt auch Joana, Selina, Lilli und Lilly schwer. Sie haben Tim fest ins Herz geschlossen.

Kreis Soest. „Der letzte Mohikaner” steht im Bücherregal. „Der letzte Bulle” jagt TV-Ganoven und Tim Sekul, der letzte „Zivi” beim Caritasverband Kreis Soest, bereitet sich auf den Abschied vom integrativen St. Barbara-Kindergartens in Hultrop vor. Vom 1. August 2010 bis zum 31. Juli 2011 war der jetzt 21-jährige Zivildienstleistende für die Mädchen und Jungen ein toller Freund und eine sichere Zuflucht, wenn Tränen flossen und Trost ganz dringend gebraucht wurde.

Dass er sogar noch vier Monate „verlängern” würde, hätte sich der Baumschulgärtner aus Neuengeseke auch nicht gedacht, als er zum ersten Mal das Haus an der St. Barbara-Straße betrat. Als er nach Abschluss der Lehre eingezogen wurde, wusste er eins mit Sicherheit: „Es ist besser, ich lerne was dazu, als dass ich zum Bund gehe. Was hilft es mir, wenn ich weiß, wie man mit einem MG umgeht?”

Durch die Internetseite der Caritas wurde er auf die Möglichkeit aufmerksam, Fahrtendienste zu übernehmen. Ein Anruf bei Franz Berntzen, dem Leiter der integrativen, heilpädagogischen Tagesstätte St. Barbara, folgte, dann der erste Besuch und der erste Rundgang. Und schnell war dem Zivi klar: „Das Geld stimmt, die Leute passen, das gefällt mir. Hier bleibe ich länger.”

Rund 140 Zivildienstleistende hat Berntzen im Lauf der Jahre in Hultrop begrüßt. Sie werden gebraucht, um den Kindern eine familienähnliche Situation in ihren Gruppen zu bieten. Das ist auch für einen jungen Mann, der daheim mit einem älteren Bruder aufgewachsen ist, eine komplett neue Situation. „Ich bin sehr gut aufgenommen worden” beschreibt Sekul die ersten Tage, bei denen neben Therapeuten und Gruppenleitern auch die anderen Zivis Hilfestellung gaben. „Am Anfang ist man viel zu zimperlich mit den Kindern. Aber man lernt schnell, wie man sie z.B. anfassen und in den Sitz heben muss.” Damit die Zivildienstleistenden und in Zukunft die BFDler sich in die Situation ihrer kleinen Schützlinge mit den verschiedensten Formen und Graden der Behinderung einfühlen können, steht „Selbsterfahrung” ganz am Anfang auf dem Stundenplan. Unter Anleitung der Therapeuten werden diverse Situationen am eigenen Leib erprobt. „Man wird gefüttert, ich saß im Rollstuhl und musste blind über einen Parcours”, erinnert sich Tim Sekul. Auch den Umgang mit den Therapiepferden Arielle und Amadeus hat Sekul, der vorher nie etwas mit Pferden zu tun hatte, erlernt: „Ich werde sie vermissen, ebenso die Mitarbeiter und die Kinder.”

Denn es ist nicht so, dass die Zivis und Praktikanten nur Aufgaben im pflegerischen Bereich bekommen. „Jeder hat seine eigenen Kinder”, beschreibt Berntzen den Tagesablauf. Für Tim Sekul sind das u. a. die Mädchen und Jungen, die er mit dem Caritas-Bulli von zuhause abholt und wieder heimbringt. Diesen täglichen Erstkontakt mit den Eltern hat der 21-Jährige souverän bewältigt. Dass auch er von ihnen umarmt wird, auch er Ostereier erhält – das sind Erfahrungen, die er nicht mehr missen möchte: „Ich nehme verdammt viel mit.” Die Kinder haben ihn fest ins Herz geschlossen: „Manchmal werde ich Papa genannt.”

Doch jetzt heißt es Abschied nehmen und den Platz frei machen für junge Männer, die sich für den Bundesfreiwilligendienst entschieden haben. „Ich kann kein Büromensch sein. Körperliche Arbeit ist mir wichtig”, hat Sekul erkannt, der jetzt als Gärtner bei einer Kommune arbeiten will.

Der Kontakt zur Caritas und zur Tagesstätte soll nicht abreißen. Spätestens zur Kirmes wird Tim Sekul den Glühweinstand besuchen, wo einer seiner Nachfolger hinter der Theke stehen wird. Für das Jahr 2012, wenn die Tagesstätte ihren 40. Geburtstag feiert, hat Franz Berntzen einen besonderen Plan: alle ehemaligen Zivis einladen. „Es wird spannend sein zu sehen, was aus ihnen geworden ist.”
Wer sich also für den Bundesfreiwilligendienst interessiert und sich im Kindergarten St. Barbara engagieren möchte, kann unter Telefon 02527/690 Kontakt aufnehmen.

Kontakt

Caritas im Kreis Soest
Osthofenstraße 35a
59494 Soest

02921 / 35 90-0
Email senden info (a) caritas-soest (Punkt) de
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