Caritas -Partner im Leben

Pflegeberatung

Tritt altersbedingt, durch einen Unfall und/oder krankheitsbedingt eine Pflegebedürftigkeit ein, können Leistungen der Pflegeversicherung beantragt werden. Bevor die Pflegekasse zahlt, wird sie erst prüfen, ob eine Pflegebedürftigkeit vorliegt. Die Pflegeleistungen und deren Höhe sind von der Anerkennung der Pflegebedürftigkeit und deren Umfang abhängig. Zur Überprüfung wird der Medizinische Dienst der Krankenversicherung beauftragt. Der Grad der Pflegebedürftigkeit wird in Pflegestufen von 0 – IV eingeteilt. Die Anträge zur Anerkennung der Pflegebedürftigkeit sollten rechtzeitig gestellt werden, da bei einem positiven Bescheid erst mit Datum der Antragsstellung gezahlt wird.

Je nachdem, ob der zu Pflegende zu Hause durch einen Pflegedienst oder Angehörige versorgt wird oder in einem Seniorenwohnheim lebt, übernimmt die Pflegekasse die Kosten entsprechend der Einstufung bis zu einem jeweiligen Höchstbetrag.

Pflegestufen

Auf Grund der in der Begutachtung und durch das Pflegetagebuch ermittelten und anerkannten Pflegezeiten (nicht alle Pflegezeiten werden automatisch anerkannt!) wird der Pflegebedürftige in eine Pflegestufe eingeordnet. Voraussetzung dafür ist ein Hilfebedarf bei den gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden täglichen Verrichtungen über voraussichtlich mind. 6 Monate. Dabei genügt nicht eine überwiegende Hilfe im Haushalt. Die pflegebedürftige Person muss vielmehr im Bereich Körperpflege, Ernährung und Mobilität einen größeren - täglichen - Hilfebedarf haben.

Folgende Kriterien für die Pflegestufen sind festgelegt:

Pflegestufe I:

Es liegt ein Hilfebedarf bei mind. 1 x tgl. für mind. zwei Verrichtungen und zusätzlich mehrmals in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung vor. Ein Zeitaufwand von mind. 90 Minuten pro Tag für Hilfeleistungen ist erforderlich, wobei der Aufwand für pflegerische Verrichtungenmehr als 45 Minuten betragen muss.

Pflegestufe II:

Mind. 3 x täglicher Hilfebedarf zu verschiedenen Tageszeiten bei der Pflege und zusätzlich mehrmals in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung. Durchschnittlich mind. 3 Std. pro Tag für Hilfeleistungen sind erforderlich, wobei der Aufwand für pflegerischeVerrichtungen mit 2 Std. pro Tag eindeutig überwiegen muss.

Pflegestufe III:

Die Hilfe muss rund um die Uhr, auch nachts benötigt werden. Ein nächtlicher Pflegebedarf (22.00 - 6.00 Uhr) liegt dann vor, wenn jede Nacht eine Pflegeleistung anfällt, welche die Nachtruhe der Pflegeperson unterbricht. Ausnahmsweise auch möglich, wenn einmal oder höchstens zweimal i. d. Woche keine nächtliche Hilfeleistung angefallen ist und sich der Hilfebedarf auf Dauer nicht weiter reduziert. Zusätzlich muss mehrfach in der Woche bei der hauswirtschaftlichen Versorgung Hilfe benötigt werden. Durchschnittlich müssen mind. 5 Stunden pro Tag für Hilfeleistung, davon mind. 4 Stunden für die Pflege, benötigt werden

Pflegegutachten

Ob und in welcher Höhe ein/e Pflegebedürftige/r Leistungen erhält, entscheidet die Pflegekasse. Grundlage für die Entscheidung über Leistungen aus der Pflegeversicherung ist das Pflegegutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK).

Nachdem der Pflegebedürftige einen Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung an die Pflegekasse gestellt hat, beauftragt diese den MDK ein Pflegegutachten zu erstellen. Bei einem Hausbesuch, der entsprechend schriftlich angekündigt werden muss, prüft der MDK anhand eines standardisierten Fragebogens den Grad der Pflegebedürftigkeit. In der Regel erhalten Sie Besuch von einem einzelnen Gutachter/in, meistens ein/e Arzt/in oder eine Pflegefachkraft. Die Pflegekasse ordnet die Pflegebedürftigkeit anhand dieses Gutachtens in eine Pflegestufe ein.

Das Gutachten des MDK hat also eine entscheidende Bedeutung für die Höhe der Leistungen aus der Pflegeversicherung. Bei der Begutachtung werden nur ganz bestimmte Hilfebedarfe für die Feststellung des Pflegebedarfs herangezogen. Zu den so genannten Katalogverrichtungen gehören:

  • Hilfen für die Körperpflege (Waschen, Duschen, Baden, Toilettengang, etc.)

  • Hilfen bei der Ernährung (z.B. Essen reichen, mundgerecht zerkleinern, anleiten, aber auch z. B. zum Essen motivieren)

  • und Hilfen zur Mobilität (z. B. Aufstehen, Zubettgehen, Aus- und Ankleiden, Toilettengang, etc.)

  • Darüber hinaus überprüft der Gutachter des MDK den Hilfebedarf für die Hauswirtschaft (z. B. Essenszubereitung, Einkaufen, Waschen, Reinigen der Wohnung, etc.)

Zu dem Hilfebedarf im Pflege- und Hauswirtschaftsbereich überprüft der MDK, ob ein besonderer Betreuungsbedarf auf Grund erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz (z. B. Altersverwirrtheit, Demenz, etc.) vorliegt. Für diesen besonderen Betreuungsbedarf können bis zu 2.400 Euro im Jahr für Betreuungsleistungen bei der Pflegekasse abgerufen werden und die Pflegezeiten können sich durch eine eingeschränkte Alltagskompetenz erhöhen.

Die Begutachtung ist letztendlich für die Einstufung in eine Pflegestufe ausschlaggebend. Es ist also besonders wichtig, dafür gut vorbereitet zu sein. In der täglichen Arbeit der Caritas-Sozialstationen haben wir es immer wieder erlebt, dass sich Pflegebedürftige und ihre Angehörigen mit der Beantragung und insbesondere mit der Begutachtungssituation überfordert fühlen. Daher hat die Caritas im Kreis Soest die Beratung und Begleitung zur Anerkennung nach der Pflegeversicherungentwickelt.

Die individuelle Pflegesituation muss bei der Begutachtung dargelegt werden, damit sie bei den Zeiten für die einzelnen Verrichtungen berücksichtigt wird. Je besser Sie sich auf die Begutachtung vorbereiten, umso größer ist die Chance auf ein Gutachten, das dem tatsächlichen Pflegebedarf des Betroffenen entspricht. Denn während der Begutachtung, die in der Regel 1,5 - 2 Stunden dauert, erhält der MDK nur einen kurzen Einblick in die Lebens- und Pflegesituation.

Zur Vorbereitung des Besuchs vom MDK sollten

  • die benötigten Medikamente und Hilfsmittel

  • Arzt und Krankenhausunterlagen

  • ggf. die Pflegedokumentation des Pflegedienstes bereitstehen

  • ein Pflegetagebuch vorgelegt werden

  • und wenn möglich die Pflegeperson/en anwesend sein.

Eine besondere Situation ergibt sich, wenn während eines Krankenhausaufenthaltes eine Pflegebedürftigkeit entsteht. In diesem Fall führt der MDK noch während des Krankenhausaufenthaltes eine Pflegebegutachtung durch. Dies ist wichtig, um einen schnellen und reibungslosen Übergang vom Krankenhaus nach Hause oder in eine Pflegeeinrichtung zu gewährleisten. Der soziale Dienst im Krankenhaus ist hier Ansprechpartner und steht bei den Formalitäten zur Seite.

Nach der Begutachtung wird das schriftliche Gutachten mit einer Empfehlung für eine Pflegestufe an die Pflegekasse geschickt, die dann über eine Einstufung und die damit verbundenen Leistungen entscheidet. Es erfolgt ein schriftlicher Bescheid gegen den ggf. Widerspruch eingelegt werden kann. Die Widerspruchsfrist beträgt 4 Wochen. Falls keine Rechtsmittelbelehrung auf dem Bescheid erteilt wurde, beträgt die Frist für den Widerspruch 1 Jahr.
Die Pflegeperson erhält nur den Bescheid über die Einstufung bzw. Ablehnung.
Das Gutachten muss angefordert werden und wird für einen Widerspruch unbedingt benötigt.

Pflegetagebuch

Zur Vorbereitung der Begutachtung durch den Medizinischer Dienst der Krankenversicherung (MDK) empfehlen wir, ein Pflegetagebuch über mehrere Wochen (mind. 14 Tage) zu führen. Durch das Pflegetagebuch wird ein detaillierter Überblick über den Hilfebedarf und Zeitaufwand der Pflege festgehalten. Die Zeiten, die für die sog. Katalogverrichtungen hinterlegt werden, sind in den Begutachtungsrichtlinien festgelegt. Es wird dabei die Zeit zu Grunde gelegt, die eine Laienpflegekraft für die Verrichtung und Hilfestellung benötigt. Es wird also nicht zwischen professioneller Kraft und Angehörigen unterschieden. Diese Zeiten können sich aber durchaus aus der individuellen Pflege- und Krankheitssituation (z. B. durch Altersverwirrtheit, Depressionen, Aggressionen oder durch eine Parkinsonerkrankung, etc.) und durch verschiedene Hilfeformen (Beaufsichtigung, Anleitung, Aktivierung, etc.) verlängern. Die individuelle Pflegesituation sollte in dem Pflegetagebuch festgehalten und bei der Begutachtung dargelegt werden, damit sie bei den Zeiten für die Verrichtungen von der Pflegekasse anerkannt wird.

Da die Mitarbeiter des MDK bei ihrem Besuch nur eine "Momentaufnahme" aus dem Alltag des Pflegebedürftigen erleben, kann das Pflegetagebuch zu einer umfassenden Einschätzung beitragen. Ein Vordruck für das Pflegetagebuch erhalten Sie in der Regel auf Nachfrage bei der Pflegekasse. Meistens ist dort ein Raster mit den anzuerkennenden Verrichtungen des täglichen Lebens vorgegeben.

Pflegende Angehörige

Die Pflege eines hilfebedürftigen Angehörigen führt zu vielfältigen Veränderungen im Leben des Pflegenden. Oft entstehen körperliche und emotionale Belastungen, die die gesamte Familie und das Umfeld beeinflussen. Neben diesen Belastungen stellen sich vielfältige Fragen zum praktischen Alltag und pflegerischen Umgang mit dem Hilfsbedürftigen und zu Pflegeleistungen, die beantragt werden müssen.

Gesprächskreise für pflegende Angehörige

Die Caritas-Sozialstationen im Kreis Soest bieten mit ihren Gesprächskreisen für pflegende Angehörige einen Ort des Erfahrungsaustausches und der intensiven Gespräche mit anderen pflegenden Angehörigen an. Diese Gesprächskreise sind kostenlos und werden von qualifiziertem Pflegepersonal begleitet. Nähere Informationen erhalten Sie in Ihrer Caritas-Sozialstation vor Ort.

Pflegekurse

Pflegende Angehörige haben die Möglichkeit kostenlos an Hauskrankenpflegekursen teilzunehmen. Bei diesen Kursen handelt es sich um Pflegeschulungen. Die Caritas-Sozialstationen bieten Ihnen vor Ort regelmäßig solche Kurse an, die von den Pflegekassen finanziert werden. Sprechen Sie unsere Sozialstationen an oder fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach.

 

Unsere Caritas-Sozialstationen beraten Sie gern bei der Beantragung der entsprechenden Leistungen und stehen Ihnen auch bei allen konkreten Fragen rund um die Pflege zur Verfügung.