Wichtige Ausstellung zur richtigen Zeit: „Gott liebt die Fremden“ im Wallfahrtskloster Werl
Eröffnung der Ausstellung "Gott liebt die Fremden"Foto: mbo
Die Bibel erzählt davon, dass Gott den Fremden in besonderer Weise nahe ist. Die Ausstellung kann bis zum 18. März täglich von 8 bis 18 Uhr im Wallfahrtskloster besichtigt werden. Für Caritas-Koordinator Georg Karbowski ist das eine "wichtige Ausstellung zur richtigen Zeit." Die Aufnahme von Geflüchteten sei auch heute wieder ein großes gesellschaftliches Thema und eine große Herausforderung. Gastfreundschaft ist ein Segen. Das gilt für den barmherzigen Samariter genauso wie heute für uns in der Begegnung mit Asylsuchenden.
Die biblischen Texte und Figuren laden ein zum Nachdenken. Zitate machen deutlich, dass Texte, die weit über 2000 Jahre alt sind, genauso eine Bedeutung und Relevanz haben in der heutigen Zeit. "Wir hoffen, dass die Besucher sich beim Durchschauen der Ausstellung ansprechen lassen und sie auch eine Bedeutung für heute herausfinden", so Georg Karbowski.
Darüber hinaus schlägt die Ausstellung eine Brücke zu aktuellen Herausforderungen und ermutigt zu gelebter Gastfreundschaft. Der Caritasverband für den Kreis Soest bietet allein in Werl mit der Migrationsberatung, der Flüchtlingsberatung und der Integrationsagentur drei Unterstützungsangebote für geflüchtete Menschen an.
Olga Kinos ist seit fünf Jahren in der Migrationsberatung tätig und beschäftigt sich hauptsächlich mit Themen der Suche nach Arbeit und Ausbildung, Wohnraum sowie Sprachkursen, ärztlicher Versorgung und dem Kontakt mit Behörden. Sie weiß: "Migration ist kein neues Thema, sie ist so alt wie die Menschen selbst. Menschen sind immer unterwegs gewesen auf der Suche nach Sicherheit, nach Hoffnung, nach einem Ort, an dem Leben möglich ist."
In der Ausstellung spricht sie besonders das biblische Konzept der Gastfreundschaft an, Menschen unabhängig von ihrer Herkunft willkommen zu heißen. "In der Bibel wird Gastfreundschaft als Ausdruck von Menschlichkeit, Respekt und Würde verstanden. Wir in der Migrationsberatung versuchen, Geflüchteten Sicherheit, Orientierung und ein Zugehörigkeitsgefühl zu geben." Wie das klappen kann, zeigt das Beispiel ihrer Klientin Frau Ehiowan, die vor fünf Jahren aus Nigeria floh und nach einem Sprachkurs zunächst ehrenamtlich im Bistro des Caritas-Kaufhauses aushalf, ehe sie mit Unterstützung von Olga Kinos eine Arbeit in der Mensa eines Soester Gymnasiums fand.
"Meine Arbeit beginnt dort, wo Zahlen Namen bekommen, wo Flucht ein Gesicht hat und Hoffnung vorsichtig fragt, ob sie bleiben darf. So wird aus Beratung Begegnung, aus Distanz ein Schritt nach vorn", sagt Tümay Omeirat, die im Bereich Flüchtlingsberatung arbeitet, einem Angebot, mit dem die Stadt Werl und die Caritas die Integration vor Ort unterstützen.
Sie berät, unterstützt und begleitet Geflüchtete bei der Bewältigung ihrer Probleme und der Entwicklung neuer Perspektiven. "Meine Arbeit zeigt mir jeden Tag, wie wichtig echte Begegnungen zwischen Einheimischen und Geflüchteten sind. Begegnung entsteht dort, wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen."
Eine besonders gute Gelegenheit dafür bietet das "Interkulturelle Frühstück". Um den Gästen der Ausstellungseröffnung einen Eindruck davon zu vermittelten, wie es Donnerstagvormittags im Norberthaus zugeht, präsentierten ehrenamtlich Aktive des "Interkulturellen Frühstücks" ein Rollenspiel. Dort kommen Menschen jeden Alters und jeder ethnischen Gruppe zusammen. Eingeladen sind alle. Dank finanzieller Förderung durch den Flüchtlingsfonds des Erzbistums in Paderborn und der Unterstützung der Stadt Werl ist das Frühstück für alle kostenlos.
Beim "Interkulturellen Frühstück" begegnen sich Menschen, die sich im Alltag nicht begegnen würden. Einheimische und Geflüchtete sitzen an einem Tisch, teilen ihr Brot, Tee und ihre Zeit miteinander. Was zunächst wie ein einfaches Beisammensein wirkt, wird schnell zu einem Raum des Zuhörens und Verstehens. Dort erzählen Menschen von ihrer Heimat, von Orten, die weit entfernt sind und doch durch Worte und Erinnerungen ganz nahe rücken. Sie sprechen von dem, was sie erlebt haben, von Verlust und Aufbruch von Hoffnung und Neuanfang. Manche berichten von dem, was sie derzeit beschäftigt, von Sorgen um Familie und Zukunft, um Anerkennung. Andere erzählen von Ängsten, die sie begleiten, und von Mut, den sie jeden Tag neu aufbringen müssen.
Gleichzeitig wird sichtbar, was bereits erreicht wurde: erste Schritte in einer neuen Sprache, eine Wohnung, Arbeit, Freundschaften. Auch die Einheimischen teilen ihre Geschichten und ihre Fragen. Beim interkulturellen Frühstück entsteht so ein Ort, an dem Fremdheit abnimmt und Vertrauen wächst. Menschen werden nicht auf Herkunft oder Status reduziert, sondern als ganze Personen wahrgenommen. Begegnung wird zur Brücke zwischen Kulturen, Lebensgeschichten und Hoffnungen. Und aus Fremden werden Nachbarinnen und Nachbarn.
Die Integrationsagentur ist das dritte Caritas-Angebot zur Unterstützung geflüchteter Menschen in Werl. Deren Leiterin Fatima Abboud weiß, dass Integration für viele Geflüchtete nicht einfach ist und appelliert an Einheimische, auf Geflüchtete zuzugehen. Sie wisse aus eigener Erfahrung, wie schwer ein Neuanfang in einem anderen Land ist. "Auch ich musste immer den ersten Schritt machen - in der Schule oder auch in der Nachbarschaft. Dabei fühle sie sich Deutsch, sei aber auch stolz auf ihre arabische Identität. Mittlerweile habe sie die arabische und deutsche Identität zu einem großen Weltbild entwickelt. "Ich sehe den Mehrwert im interkulturellen Dasein. Ich sehe, dass wir viel offener auf die Welt blicken können, wenn wir beide Welten verstehen. Und das ist mein Appell: Wir müssen nicht unsere Identität aufgeben. Wir können gemeinsam an eine größere Identität arbeiten, und jeder behält das bei, was er für wichtig hält."
Ihr Lieblings-Zitat der Ausstellung besagt, dass ein und dasselbe Gesetz gelten solle für den Einheimischen und den Fremden, der unter euch wohnt. "Wenn das schon in der Bibel geschrieben wird, dann sollten wir das auch so leben." Begleitet wurde Fatima Abboud von Amal Alkathib, die vor vier Jahren aus Syrien nach Deutschland floh und für eine echte Erfolgsgeschichte stehe. Sie berichtete, dass sie zunächst Deutsch gelernt habe, dann im Sprachcafé mitgeholfen habe und seit zwei Jahren für die Caritas in der Betreuung alter Menschen arbeite. Zudem betreibt sie seit einem Jahr zusätzlich ein Kleingewerbe mit arabischem Essen. Das leckere Fingerfood für die Besucher der Ausstellungseröffnung stammte von ihr.




