Das Scheidinger Pfarrheim ist einfach ideal für die „Tagesbetreuung auf dem Lande“. Davon überzeugten sich (v. l.) Fachbereichsleiterin Bettina Wiebers, Pastor André Aßheuer, Ehrenamtliche Doris Sternschulte und Projektleiterin Dorota Schiwietz.
"Wenn Sie für die Gäste der Tagesbetreuung Himmel und Ähd‘ kochen, melde ich mich schon mal zum Essen an. Blutwurst und Äpfel bringe ich mit." Dieses Versprechen gab Pastor André Aßheuer beim jüngsten Vorbereitungstreffen spontan ab, so begeistert war er von der Information, dass Doris Sternschulte einmal pro Monat im Pfarrheim Scheidingen (Großgemeinde Welver) für das Mittagessen sorgen wird.
Nicht nur die Aussicht auf die Kochkünste der Ehrenamtlichen begeistert ihn. Er begrüßte im Gespräch mit Bettina Wiebers, Fachbereichsleiterin Pflege im Caritasverband Soest, und Projektleiterin Dorota Schiwietz ausdrücklich die Tatsache, dass das Projekt "Tagesbetreuung auf dem Lande" ab 1. Oktober, einmal pro Woche, ins Scheidinger Pfarrheim einzieht. Hier können dann maximal zwölf Senioren jeweils von 9 bis 16 Uhr gemeinsam in vertrauter Umgebung den Tag verbringen.
"Das ist eine gute Sache, gerade hier auf dem Lande." Im Juni 2015 hatte die Caritas das Projekt ins Leben gerufen. In den Dörfern Horn, Oestereiden und Schoneberg fanden sich schnell Senioren, die seitdem einmal pro Woche das Tagesangebot nutzen. Ab Donnerstag, 1. Oktober 2015, nun wird das Angebot in Zusammenarbeit mit der Pfarrei St. Maria Welver auf Welver, Scheidingen und umliegende Dörfer ausgeweitet. "Wir haben bereits sechs Anmeldungen", freut sich Dorota Schiwietz, Pflegefachkraft mit langjähriger Erfahrung, dass sich die Listen füllen.
"Natürlich können Senioren aus allen Dörfern der Großgemeinde zu uns kommen.Wir haben z. B. auch schon eine Anmeldung aus Borgeln." Auf eine vorherige Anmeldung kann das Team, zu dem neben Schiwietz noch Alltagsbegleiterin Silvia Vahrenbrink sowie je nach Besucherzahl noch eine dritte Kraft gehören, nicht verzichten."Wir fahren morgens mit dem Bulli vor, packen alles aus, von Bastelmaterial bis zu den Ruhesesseln und bereiten dann das Frühstück vor."
Bis zum Nachmittag 16 Uhr, wird den Gästen dann ein Rund-Um-Paket geboten, bestehend aus gemeinsamen Aktivitäten, gemeinsamen Mahlzeiten und den benötigten Ruhepausen. "Das Pfarrheim hier ist wirklich ideal", schwärmt Dorota Schiwietz. Dass vom großen, freundlichen Saal ein kleiner Teil abgetrennt werden kann, ist optimal. "Hier kommen die Ruhesessel hinein, für das Mittagsschläfchen."
"Unsere Tagesbetreuung auf dem Lande ist ganz nah am Menschen", verdeutlicht auch Fachbereichsleiterin Bettina Wiebers, worum es bei dem Projekt geht. "Unsere Gäste müssen nicht in eine große unbekannte Einrichtung in die Stadt kommen, sie bleiben in ihrem Dorf oder kommen ins Nachbardorf." Gerade weil das Caritas-Team jeweils mit Sack und Pack ins Dorf kommt, ist ein Fahrdienst nicht möglich. "Wir wissen aber, dass die Angehörigen schnell Fahrgemeinschaften organisieren", erklärt Dorota Schiwietz. "Wir freuen uns auch über Ehrenamtliche, die ein bisschen Zeit haben und vielleicht ihren Nachbarn bringen oder abholen können." Ein ehrenamtlicher Einsatz ist in vielen Bereichen willkommen.
Als Beispiel sei die freundliche Nachbarin in Horn genannt, die im Sommer für einen Vormittag mit Körben voller Blumen anrückte und mit den Gästen Gestecke und Kränze kreierte. Für den 1. Oktober hat sich bereits Fabiola Vorderwülbecke aus Hewingsen (mit Gitarre) angemeldet, um mit den Gästen zu singen. "In dem Projekt ist alles möglich", fasst Dorota Schiwietz zusammen. "Unsere Gäste bestimmen, was wir gemeinsam unternehmen." Letzen Endes kommt das Projekt "Tagesbetreuung auf dem Lande" auch den pflegenden Angehörigen zugute, die an diesen Donnerstagen Zeit für persönliche Erledigungen haben.
Bei vorhandener Pflegestufe bzw. einem anerkannten Betreuungsbedarf übernimmt die Pflegekasse einen Teil der Kosten für die Tagesbetreuung auf dem Lande. Dass die Senioren, die sich für die "Tagesbetreuung auf dem Lande" donnerstags im Scheidinger Pfarrheim interessieren, einen Tag lang kostenlos "schnuppern" dürfen, ist selbstverständlich.
Aber auch sie müssen sich vorher anmelden, das ist wegen der Mahlzeiten und der erforderlichen Betreuungskräfte unumgänglich. "Das wird klappen", weiß Dorota Schiwietz. Denn für viele Gäste ist der Besuch der Tagesbetreuung zum Höhepunkt der Woche geworden. "Viele der Damen gehen vorher mal wieder zum Friseur oder suchen die gute Bluse heraus. Diese Vorfreude ist für uns die schönste Anerkennung."