Wolfgang Faber, Leiter der Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Soest.
Allein im vergangenen Jahr haben die Mitarbeiter an den vier Standorten 1.328 neue Beratungen begonnen, das entspricht einer Zunahme von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In 2016 waren es 1.269 Gespräche. Das positive Feedback vieler Klienten bestärkt die Caritas-Mitarbeiter in ihrer Arbeit.
Als Grund für den zunehmenden Beratungsbedarf nennt Wolfgang Faber, Leiter der Caritas -Beratungsstelle in Soest, das immer komplizierter werdende Leben für Familien. "Alles wird schnelllebiger, hinzu kommt der steigende Leistungsdruck für Kinder und Erwachsene. Eltern müssen viel höhere Belastungen im Berufsleben aushalten und sind oft in ihren Lebensentwürfen verunsichert." Unter einem besonderen Druck stünden alleinerziehende Mütter und Väter. Ihr Anteil in der Beratung liege bei 36 Prozent - der Durchschnitt in NRW liege nur bei 19 bzw. 20 Prozent.
Die meisten kämen mit sehr komplexen Fragestellungen und mehr als einem Thema in die Beratung. Zu den häufigsten Themen gehörten nach Wolfgang Faber Entwicklungsauffälligkeiten und seelische Nöte von Kindern und Jugendlichen (45 Prozent), gefolgt von Trennung und Scheidung der Eltern (31 Prozent), Belastungen durch familiäre Konflikte (25 Prozent) und soziale Probleme der Kinder und Jugendlichen (19 Prozent).
Häufig kämen die Ratsuchenden auch wegen Leistungsproblemen (14 Prozent) und psychischen Problemen der Eltern (10 Prozent). Weitere Themen sind Gewalt und Vernachlässigung (8 Prozent), Kindeswohlgefährdung (2 Prozent), Sucht der Eltern (2 Prozent ), Tod eines nahen Angehörigen (2,5 Prozent), Mobbing (3,5 Prozent), selbstverletzendes Verhalten (2,6 Prozent), Schulverweigerung (2 Prozent), Suizidgefährdung ( 2 Prozent), Sexualisierte Gewalt/Missbrauch (3 Prozent) und kritischer Medienkonsum (2,3 Prozent).
"Bei Krisen, bei Gefährdungen und bzw. oder wenn Jugendliche sich melden, handeln wir natürlich sofort", betont Wolfgang Faber. In allen anderen Fällen würden zunächst Erstgespräche vereinbart, um die Dringlichkeit von Anfragen einschätzen zu können. Im Vergleich zum Vorjahr wurden - trotz der gestiegenen Anmeldezahlen - die Klienten sogar schneller versorgt. So erhielten 71,5 Prozent der Ratsuchenden innerhalb von 14 Tagen einen Termin für ein erstes Gespräch, 96 Prozent der Klienten ein Erstgespräch innerhalb von 4 Wochen. Dies entspreche einer Steigerung von 6 bzw. 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr, so Faber weiter.
Statistisch festgehalten hat die Caritas auch die wirtschaftliche Situation ihrer Ratsuchenden. Auffällig: 19 Prozent der Klienten im Kreis Soest erhielten Sozialleistungen - in ganz NRW liegt die Sozialleistungsquote von Ratsuchenden von Erziehungsberatungsstellen dagegen nur bei 12 Prozent (2015).
Gut vernetzt mit anderen Einrichtungen im Kreis Soest wie Schule und Kitas gehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Beratungsstellen auf die Eltern zu. Um auf ihr umfangreiches und niederschwelliges Beratungs-Angebot aufmerksam zu machen und um vorsorgend zu informieren, bieten sie regelmäßig Kurse und Veranstaltungen an, auf diese Weise wurden in 2017 über 500 Personen erreicht.
Dass die Beratung der Caritas im Kreis Soest wirkt, zeigt eine Studie - die durchaus Mut macht. 2016/2017 haben die Beratungsstellen Soest, Werl, Warstein, Lippstadt an der Wirkungsevaluation in der Erziehungsberatung, Wir.EB (Institut für Kinder und Jugendhilfe gGmbH unter der Leitung von Prof. Mcsenaere), teilgenommen. Die Ergebnisse der Studie zeigen die hohe Wirksamkeit der Arbeit der Beratungsstellen auf. Jugendliche und Kinder meldeten zurück, dass sie Kompetenzen aufgebaut hätten, sich gestärkt fühlten und Probleme nun besser bewältigen könnten. Eltern erlebten sich in ihrer Erziehungskompetenz gestärkt und in Familien wurde eine Verbesserung des Zusammenlebens erreicht. "Diese Ergebnisse bestätigen die Rückmeldungen unserer Klienten und bestärken uns in unserer Arbeit", betont WolfgangFaber.