Wenn Sabine Durben, Hauswirtschafterin in der Caritas-Tagespflege in Lippstadt, von Kuchen spricht, dann ist das Wort "selbstgebacken" nicht notwendig. "Bei uns kommt nur Selbstgebackenes auf den Kaffeetisch" erläutert die Caritas-Mitarbeiterin, während sie Nicole Gudzenties, der 19-jährigen Auszubildenden, die Pfirsichstückchen anreicht.
Rührkuchen mit Pfirsich und Sahne wird an diesem Nachmittag zum Kaffee in der Caritas-Tagespflege in Lippstadt serviert, gebacken von Auszubildender Nicole Gudzenties. Hauswirtschafterin Sabine Durben gibt ein paar Anleitungen. Foto: Caritas
Noch ist es ruhig in der Tagespflege. Die zwanzig Gäste, die hier von Montag bis Samstag jeweils von 8 bis 16 Uhr den Tag verbringen, haben sich an diesem Vormittag mit einem ihrer Therapeuten zurückgezogen. Diese Zeit nützt die staatlich anerkannte Wirtschafterin mit Ausbildungseignung, um mit Nicole Gudzenties, der Auszubildenden im 2. Jahr, das Tagesprogramm durchzusprechen. Seit neun Jahren ist Sabine Durben in der Tagespflege für den gesamten Bereich Hauswirtschaft zuständig. Garten, Wäsche, Einkaufen, Kochen und Backen, Sauberkeit - sie ist die Frau, die dafür sorgt, dass sich die Gäste wie zuhause fühlen. "Auch das Drumherum, das Wohlfühlambiente gehört zu meinen Aufgaben", beschreibt die Lippstädterin, wie umfangreich ihr Tagesprogramm ist. Und doch ist in all den Jahren Nicole Gudzenties die erste Hauswirtschafts-Auszubildende in der Tagespflege. "Die Berufsschule ist auf uns zugekommen, ob wir eine Auszubildende übernehmen können." Gern gab Bernd Müller, Gesamtleitung des Pflegezentrums Lippstadt, seine Zustimmung. Sehr gern wechselte die Auszubildende den Einsatzort. War sie vorher, in einem größeren Unternehmen, eine von vielen, so kommt sie nun in den Genuss der 1:1-Ausbildung, die in der Tagespflege geboten wird: "Ich fühle mich wohl hier und es macht mir Spaß."
Für sie ist es besonders erfüllend, dass sie in allen Bereichen gefordert ist. Nach dem Berufsgrundschuljahr, in dem die ersten Wissengrundlagen für Ernährung und Hauswirtschaft gelegt wurden, hat sie nun, im zweiten Ausbildungsjahr, eine besondere Arbeitswoche: drei Tage Unterricht an der Schule, zwei Tage Praxis in der Tagespflege. "Wir sorgen auch dafür, dass die Tage, an denen Nicole bei uns ist, Kochtage sind", erklärt Sabine Durben. "Dass sie das Berufsgrundschuljahr hinter sich hat, das ist bei allem, was ich anspreche, deutlich zu merken."
In der Ausbildungsbegleitung in der Tagespflege, die im 3. Ausbildungsjahr auf drei Tage erhöht wird, werden die Kenntnisse vertieft, die in der Schule unterrichtet werden. Und nach und nach, je länger die oder die Auszubildende den 1:1-Unterricht in der Praxis durchlebt, steigert sich die Selbstständigkeit. "Das ist ganz wichtig für uns", erklärte Sabine Durben. Denn es geht nicht nur darum, die notwendigen Alltagsangelegenheiten zu erledigen. "Wenn die Gäste z. B. den Wunsch nach einem besonderen Mittagessen haben, darauf reagieren wir natürlich." Dann setzt sich Nicole Gudzenties aufs Rad und besorgt die erforderlichen Zutaten. "Nachher wird abgerechnet, mit Quittung und allem. Der verantwortungsvolle Umgang mit dem Geld - auch das muss eine Hauswirtschafterin können."